Blick auf den Heeschenberg


Grundrissplan des Eremitagegarten Heeschenberg von 1789


Tranquillitati im Heeschenberg,
Ölgemälde Anfang des 19 Jahrhunderts



Pavillon Tranquillitati, Kupferstich aus:
C.C.L. Hirschfeld, Theorie der Gartenkunst




Gut Schierensee liegt inmitten einer von Seen und Wäldern geprägten, sanfthügeligen, Kulturlandschaft. Südlich des Herrenhauses, durch Wiesen und Felder von der Hofanlage getrennt, erhebt sich die bewaldete Anhöhe Heeschenberg.
Caspar von Saldern errichtete von 1767 bis 1779 auf dem Heeschenberg einen einzigartigen Eremitagegarten.

Saldern gestaltete den Eremitagegarten nach seinen Vorstellungen von einem idealen Ort der sowohl Geschmack, als auch Kultur mit Naturschönheit vereinen sollte.
Es wurden kleine Lusthäuser und Staffagebauten errichtet. Man legte Zierbecken, Fischteiche und Spazierwege an und pflanzte eine Vielzahl von Gehölzen.

Die künstlerische Ausgestaltung übertrug Saldern dem fürstbischöflichen Hofbaumeister Georg Greggenhofer aus Eutin und dem Gutsgärtner Johann Caspar Bechstedt. An Künstlern, die außerdem in Schierensee tätig waren, sind der Hofbildhauer Johann Georg Moser aus Eutin und der Malermeister Johann Matthias Bremer zu nennen.

Mit dem Eremitagegarten Heeschenberg entstand ein in Schleswig-Holstein einmaliges Gartenkunstwerk, das über die Grenzen des Landes hinweg Beachtung fand. So schrieb der berühmte Gartentheoretiker Christian C. L. Hirschfeld begeistert über den Heeschenberg:
„Man sieht hier Natur und Geschmack im Wetteifer, einen Sommersitz zu bilden, der, nach dem Geständniß der einheimischen und auswertigen Kenner, zu den ersten Merkwürdigkeiten der Gartenkunst nicht blos in Schleswig-Holstein, sondern in Deutschland gehört.“

Stilistisch ist der Heeschenberg als Park des Übergangsstil einzuordnen. Die verstreuten Lusthäuser, Hütten und Lustplätze entsprachen dem kleinteiligen Gefüge eines Eremitagegartens aus der Epoche des Rokoko. Auch das Gewirr der mäandrierenden Wege und Pfade dieser Anlage offenbarte das für diese Epoche charakteristische Verlangen nach Varieté. Von besonderer Bedeutung ist jedoch, dass der Heeschenberg als ein Vorbote des Englischen Landschaftsgartens in Schleswig-Holstein anzusehen ist, denn hier wurde erstmals die Wahrnehmung von Landschaftsbildern durch großzügige Sichtschneisen zu einem eigenen Aspekt der ästhetischen Erfahrung.

In dem Eremitagegarten waren allein an die zwanzig Pavillons und Hütten errichtet worden. Sie lagen versteckt im Wald oder auf Bergkuppen. Es gab ovale oder runde Lusthäuser, zum Teil mit Türmchen versehen. Einige waren nach ihrer Form, Farbe oder Material benannt: Ovales Lusthaus, Blaues Haus und Steinernes Haus. Andere trugen französische Namen: Solitude, Bon-Bon, Bellevue und Aux Invalides.

Das größte Lusthaus am höchsten Punkt der Anhöhe erbaut, hatte einen lateinischen Namen: Tranquillitati. Es war „der Ruhe“ gewidmet und diente Caspar von Saldern als Sommersitz.

Andere Gebäude wurden als Gästehäuser genutzt. Weitere Pavillons und Hütten waren zur Belebung des Parks als Staffagen oder Point de vues aufgestellt worden. Während der Sommermonate bildete der Park den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens.
Hier empfing der Geheime Rat seine Gäste und ließ nach einem festlichen Mahl im großen Speisesaal des Lusthauses Tranquillitati die Wasserkunstwerke vorführen. Spaziergänge durch die Waldeinsamkeit gehörten ebenso zum vergnüglichen Zeitvertreib wie das Angeln oder der Genuss der Aussicht in die weite Schleswig-Holsteinische Landschaft.
Auch gekrönte Häupter zählten zu den Besuchern. So verbrachte der dänische König Christian VII im Mai 1768 nach erfolgreichem Abschluss des Gottorfer Vergleichs mehrere Tage im Heeschenberg.

Nach dem Tode Salderns im Jahre 1786 übernahmen seine Nachkommen die Bewirtschaftung des Gutes mit sämtlichen Ländereien und den Parkanlagen. Als die Urenkelin Salderns, Friederike Marie Sophie 1860 verstarb, wurde die Pflege der Parkanlagen weitgehend eingestellt. Trotz des Verlustes der Bauten geriet der Park nie ganz in Vergessenheit.

Die angemessene Würdigung des Eremitagegartens auf dem Heeschenberg in der Neuzeit erfolgte im Juni 2002 mit der Eintragung in das Denkmalbuch von Schleswig-Holstein als eines der historisch bemerkenswertesten Gartenkunstwerke dieses Landes. Diesen einzigartigen Waldpark wird der Gutsbesitzer Günther Fielmann gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege in seinen Strukturen wieder erstehen lassen. Damit ist die Bewahrung des Kulturdenkmals Gut Schierensee als vollständiges Ensemble für nachfolgende Generationen gesichert.


 
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